Jubelkonfirmationen 2026


Psalm 36,6-11

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, 

deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit ragt auf wie die ewigen Berge, 

dein Recht gründet tief wie das Meer. 

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, o Gott!

Unter dem Schatten deiner Flügel finden die Menschenkinder Zuflucht.

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses. 

Du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, 

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Herr, breite deine Güte aus über all denen, die dich kennen, 

breite deine Gerechtigkeit aus über all denen, die dich ehren!


Der Herr segne dieses Wort an uns allen. Amen


Liebe Jubilare, liebe Gemeinde,

unter dem Schatten seiner Flügel. Mit Wonne getränkt wie mit einem Strom …

Himmel und Wolken, Berge und Meer. Quelle des Lebens, göttliches Licht …

Mit diesen Bildern versucht der Dichter, Gott nahezukommen und Gott nahezubringen -

schöne, anziehende Bilder, die noch heute die meisten Menschen irgendwie berühren werden;

auch wenn sie sich vielleicht nicht als „gläubig“ oder „religiös“ bezeichnen ...


Und doch ist Gott immer auch ganz anders, und er ist noch viel mehr als jedes noch so großartige Bild oder Symbol.

Unsere Wahrnehmung kann versuchen, ihm nahe zu kommen - fassen kann sie ihn nicht. Gott ist unvorstellbar. 

Und doch hat wohl jeder irgendeine Vorstellung von Gott, selbst wenn er nicht "an ihn glaubt";

etwas, das vor dem inneren Auge aufblitzt, wenn er das Wort „Gott“ hört; vielleicht noch Bilder aus alten Kindertagen - Gottesbilder ... 


Jeder Mensch hat sein Gottesbild - jede Generation, jede Epoche, jede Weltregion. 

Und sicher hat sie immer irgendwie mit Macht zu tun. Mit zurückhaltender, umsichtiger, behutsamer Macht vielleicht -

aber mit Macht. Und die Menschen der Bibel haben mit Macht vor allem zwei Dinge verbunden: den König und die Natur.


Licht. Himmel. Flügel. Wolken. Berg. Wasserstrom. Quelle. Meerestiefe. 

So ist Gott. So kommt man seiner Wirklichkeit am nächsten - dachte man sich damals, zu Zeiten Davids, der in jungen Jahren

ein Hirte in der wilden Natur war, später Herrscher über ein starkes Königreich, und auch Dichter vieler Psalmen ... 

Und so denken die Menschen sich das vielleicht auch heute - sofern sie sich überhaupt noch etwas dabei denken,

wenn es um Gott geht. 

Die mächtige Natur, die das Leben spendet, aber auch auslöscht, es zumindest zuläßt - so ist Gott, der unbegreifliche Gott.

Das stimmt - und es stimmt nicht. 

Gott ist immer auch anders. Der Geist weht, wo er will. 


In den zehn Geboten heißt es: Mach dir kein Bild von Gott!

Das hieß damals ganz konkret: Kein prächtiges Standbild im Tempel! Keine bemalte Tonfigur daheim in der Gebetsecke, im „Herrgottswinkel“! Gott ist kein Kriegsfürst, keine Meerjungfrau, keine Fantasy-Figur! 

Man muß uns nicht vorschreiben, wie wir ihn uns vorzustellen haben.

Man muß auch Gott selbst nicht vorschreiben, wie er auszusehen und zu sein hat.

Gott ist anders. Der Heilige Geist des Pfingsttages und des Trinitatisfestes weht wo er will …


Der Prophet Elia war vor der bösen Königin Isebel in die Wüste geflohen - fertig mit der Welt, verzweifelt und kaputt.

Dabei wollte er doch auf der Seite der guten starken Macht stehen, die es denen "da oben" mal so richtig zeigt!

Und so sucht er Gott in Blitz und Donner und im Orkan - aber dort findet er ihn nicht.

Er muß erst lange in seiner Höhle warten. Er muß still sein, in sich gehen, auf sein Herz hören. 

Und schließlich erklingt, so heißt es in der Bibel, ein sanftes stilles Sausen. 

Darin begegnet er Gott. Darin findet er neue Kraft.


So wie am Pfingsttag die Jünger Gott und Jesus im Wehen und Brausen des Heiligen Geistes neu begegnet sind

und neue Kraft gefunden haben. Kraft, die unsere Kirchen und Gemeinden, und die wir als Christen jeden Tag neu brauchen. 

Und um die wir immer bitten können - im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …

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Liebe Jubilare, am heutigen Tag blicken Sie auf 50 oder 60 oder 65 oder gar 70 Jahre zurück.

Sie wurden konfirmiert ...


- vor 75 Jahren - als Julius & Ethel Rosenberg in New York als Atomspione hingerichtet wurden

und in Hirschbach zum ersten Mal das Rennsteig-Lied erklang


- vor 70 Jahren - als die Sowjets das aufständische Budapest niederwalzten - 

und Chruschtschow Stalins ungeheure Verbrechen zur Sprache brachte


- vor 65 Jahren - als Juri Gagarin in den Weltraum flog

und in Berlin die Mauer gebaut wurde


- vor 60 Jahren - als in China die Roten Garden Maos Kulturrevolution in Gang setzten 

und das Wembley-Tor die Weltmeisterschaft für England entschied


- vor 50 Jahren - im Jahr der Eröffnung des Palastes der Republik 

und der Ausbürgerung Wolf Biermanns

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Sie sind aufgewachsen in einer Welt voller Dramatik, Unrecht und Leid - doch auch voller Hoffnung, Freude und Glück. 

Jeder ist in diesen Jahren und danach, mehr oder weniger behelligt bzw unbehelligt von den großen Entwicklungen,

seinen Lebensweg gegangen, allein, mit einem Partner, mit einer Familie, mit einem Freundeskreis … 

Einen Weg, der auch persönlich Dramatik und Leid, vielleicht auch Unrecht, beschert hat - gleichwohl immer wieder auch Freude, Hoffnung und Glück; und im Rückblick - ich wünsche es Ihnen - zählt das Letztere doch mehr, alles in allem …


Sie haben damals Gottes Segen empfangen, als Ihnen die Hände aufgelegt wurden.

Manchmal mag er wie ein ferner kalter Stern wirken - und doch ist Gott uns nahe und er steht für uns ein.

Damals haben Sie Ja zu Gott und zum Glauben gesagt -

und er sagt Ja zu Ihnen, seit er Sie erschaffen hat. Er räumt nicht alles aus dem Weg, aber er geht den Weg mit Ihnen. 


Jesu geh voran auf der Lebensbahn. Christen ist ein neues Gottesbild geschenkt worden -

Jesus Christus, der Menschen heilt, Jünger in seine Nachfolge ruft und das Abendmahl austeilt,

der das Kreuz auf sich nimmt und den Tod überwindet.


Der durch den Heiligen Geist bei uns ist - in unserem Alltag, in Freud und Leid. 

Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nötge Pflege, 

tu uns nach dem Lauf deine Türe auf. 


Der Herr, zu dem Sie sich am Konfirmationstag bekannt haben, umgibt und begleitet Sie auch weiterhin.

Er drängt sich nicht auf, aber er ist gegenwärtig, und er bietet seine Hand dar. Auch wenn wir sie einmal losgelassen haben -

das ist menschlich-allzumenschlich, und die Mächte der Zeit drängten und drängen ja manchmal dazu -

wir können sie wieder ergreifen …


Und so sei der allmächtige und barmherzige Gott, 

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, auch weiterhin mit Ihnen 

und Ihren Familien heute und alle Tage auf Erden und darüber hinaus. Amen