Ostern 2026
1 Korinther 15,19 … 26
Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus unsere Hoffnung setzen,
sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen.
Doch Christus ist auferstanden von den Toten als Erster aller, die gestorben sind.
Der Tod wird unterworfen und vernichtet werden!
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings
holden, belebenden Blick. / Im Tale grünet Hoffnungsglück …
Wer kennt es nicht, wenigstens aus der Schule, vom Gedichtaufsagen:
Goethes Osterspaziergang, diese kraftvollen, lebensbejahenden Verse:
Ich höre schon des Dorfs Getümmel - hier ist des Volkes wahrer Himmel!
Zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!
Auch und gerade (um im Goethe-Bild zu bleiben), hier in dieser unserer Kirche ehrwürdiger Nacht - die nun zum strahlenden Ostermorgen geworden ist. Die Osterkerze leuchtet - wir alle sind ans Licht gebracht!
In dieser Welt, in diesem Leben mit seinem Alltag, seinen Jahreszeiten, seinen Festen -
Totensonntag, Weihnachten, Rosenmontag/Aschermittwoch, Karfreitag, Ostern …
Und mag es auch nicht immer eitel Sonnenschein sein, bisweilen sogar recht neblig und trübe - jeder hängt doch an diesem seinem Leben, eigentlich … Wenn nicht, tiefgreifend nicht, dauerhaft nicht, sollte es Grund zur Besorgnis geben.
Dieses Leben hat seinen Wert. Einen unglaublich großen Wert.
Es ist ein Gottesgeschenk: Von Gott bist du ins Leben gerufen!
spricht der Prophet Jesaja - und er meint, gerufen in dieses Leben auf der Erde …
Aber in der Bibel steht eben auch:
Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus unsere Hoffnung setzen, sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen.
Ist es mit diesem Leben nach christlicher Auffassung also doch nicht so weit her?
Dieses Leben ist viel, sehr viel - aber nicht alles. Am Ende bleibt vieles unvollkommen, bleibt vieles Fragment.
Das ist unvermeidlich in dieser Welt.
Alles, was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht - das ist auch von Goethe bzw. Mephisto/Faust.
Und in gewisser Weise stimmt es ja auch und muß so sein.
Doch wir hoffen als Christen nicht auf Mephisto und auch nicht auf Goethe, nicht mal in Thüringen; jedenfalls nicht, wenn es um die wirklich letzten Dinge geht, zu denen Goethe sowieso Abstand hielt. Begräbnisse vermied er, sogar das seiner Ehefrau Christiane …
Nein, wir hoffen in aller Ungewißheit auf anderes.
In unserer Kirche ehrwürdiger Nacht leuchtet die Osterkerze.
Denn Christus ist auferstanden von den Toten.
In dieses Leben, nachdem er am Karfreitag aus diesem Leben genommen wurde.
Denn Gott ist Mensch geworden im Leben und im Sterben. Und doch Gott geblieben.
Gott ruft ins Leben. Gott vollendet das Leben - über unsere Existenz hinaus.
Auferstehung bedeutet Neuwerdung; auf der Grundlage unseres Daseins im Hier und Jetzt, aber in ganz anderer, sagen wir Dimensionalität. Die biblischen Osterberichte geben Zeugnis davon, soweit menschliche Begriffe all das überhaupt erfassen und ermitteln können - in wohl nur sehr unvollkommen und deshalb vielleicht auch in sehr rätselhaft anmutenden Worten …
Unser Wissen ist Stückwerk, schreibt Paulus auch im Korintherbrief.
Wir sehen wie durch einen trüben Spiegel ein unklares Bild.
Wir erkennen nur Bruchstücke. (Das gilt schon für viele irdische Dinge und Prozesse. Wir mögen zu diesen oder jenen Schlüssen und Wertungen kommen inmitten der Informations- und Videoflut, aber ein umfassendes Bild etwa der vorder- und hintergründigen Geschehnisse in der Ukraine oder am Persischen Golf haben wohl nicht einmal die direkten Akteure - und wir schon gar nicht.
Und wieviel mehr gilt dies dann für trans- und überweltliche Dinge ...)
Einmal aber werden wir ganz und gar erkennen - so wie wir von Gott schon erkannt sind ...
Natürlich, das ist eine Glaubenssache, kann man alles für Zuckererbsenvertröstung halten - den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen … - Aber: Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Wer glaubt, wird selig!
Wir haben - im besten Sinn des Wortes - letztlich nichts zu verlieren und unendlich viel zu gewinnen.
Der Friede des auferstandenen Herrn sei mit euch - fröhliche Ostern! Amen
